Sylgja Hlín Bragasdottír (Silja)

Ich kann mich noch etwas verschwommen an meine Mutter erinnern, ihr Gesicht, ihre Stimme und wie sie sich für mich vor den anderen Dorfbewohnern einsetzte, wenn sie mich meines Frankenblutes wegen triezten. Mein Vater und ich liebten sie, doch eines Tages verließ sie uns, ohne einen noch so kleinen Hinweis für ihre Gründe oder auf ihren Verbleib.

Seitdem lebte ich allein mit meinem Vater in einer Hütte am Waldesrand.
Er erzählte mir abenteuerliche Geschichten über meiner Mutter, die er angeblich auf einem Beutezug im Frankenreich kennenlernte und sich auf Anhieb in sie verliebte. Doch jeden Tag spürte ich die Auswirkungen in der Stimmung meines Vaters und tief in meiner eigenen Seele verborgen und es drängte mich der Wunsch, meine Mutter zu finden.
Da mein Vater ein Barde und Geschichtenerzähler war, und lange nicht mehr auf Wiking fuhr, lernte ich neben dem Lesen und Schreiben auch noch die Kunst des Gesangs und traf viele interessante Menschen. Meinem Vater war es aber auch wichtig, dass ich mich verteidigen konnte und so brachte er mir einige, grobe Kampfhandlungen bei.

Mit 19 Wintern beschloss ich, dass es Zeit war, meinen eigenen Weg zu gehen und als Ziel setzte ich mir die Suche nach meiner Mutter. Ich zog als Bardin und Geschichtenerzählerin durch Tavernen und Spielunken und begab mich auf die Suche nach Jahrzehnte alten Spuren.
Mein Weg war mühsam und ich war mehr als einmal äußerst dankbar über das, was mein Vater mich gelehrt hatte.

Eines Abends hatte mich ein netter Herr angestellt, um in seiner Taverne für Stimmung zu sorgen. Ich machte mich also daran, meine Lieder und Geschichten darzubieten und traf auf eine Gruppe Menschen, die besonders inbrünstig und begeistert mitsangen. Und nicht nur die bekannten Landeslieder trafen ihre feierliche Stimmung – sie ergänzten auch meine eigenen Kreationen und lauschten gespannt den nachdenklicheren Tönen. Unter ihnen saß ein Mann in rotem Umhang und beobachtete das Treiben. Ich lächelte ihn an und er erwiderte es nach einiger Zeit.
Die Nacht wurde zum Morgen und der Schankraum leerte sich langsam, nur diese Truppe schien nicht müde zu werden. Nun kamen wir langsam auch ins Gespräch.
Sie nannten sich „Blendingur“ und zogen durch die Lande, eine eingeschweißte, bunte Truppe aus Kaufleuten, Kriegern und Künstlern. Der Mann im roten Umhang war Alvís und mit ihm kam ich noch ein bisschen besser ins Gespräch als mit den anderen. Schließlich schloss der Wirt die Schänke und bezahlte mich. Ich hatte einen hohen Gewinn gemacht, was ich auch Blendingurs Gesellschaft zu danken hatte.
Als sich unsere Wege trennen sollten, drehte Alvís sich um und bat mir an, bei ihm und Blendingur zu bleiben.
Einen kleinen Moment rang ich noch mit mir, doch obwohl die Suche meiner Mutter ein starker Wunsch in mir blieb, hatte mich doch die Einsamkeit wie eine Seuche geplagt.
Und so entschied ich mich, mit ihnen zu kommen und vielleicht auch ihre Geschichten in die Welt zu tragen.


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